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Ein Blick in die Geschichte
von Speyer
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Speyer ist
eine historisch und kulturell beonders bedeutsame Stadt am
Oberrhein. Als römische Siedlung (Civitas Nemetum) - aufbauend
auf das viel ältere Wohngebiet der Nemeter (Noviomagus) - gehört Speyer heute zu
den ältesten Städte in Deutschland und wurde
als Spira um 600 zum Zentrum des Speyergaues. Im Mittelalter war Speyer
als freie Reichsstadt eine der wichtigsten Städte des Heiligen
Römischen Reiches Deutscher Nation. Zwischen 1816 und 1945
Sitz der bayrischen Verwaltung der Pfalz, ist Speyer heute
eine kreisfreie Stadt in Rheinland-Pfalz und hat etwas mehr als 50.000 Einwohner.
Weithin bekannt ist Speyer durch seinen Kaiser- und Mariendom. Er ist
die weltweit größte noch erhaltene romanische Kirche
und zählt seit 1981 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Speyer liegt in der Oberrheinischen Tiefebene an der
Mündung des Speyerbachs in den Rhein, knapp 20 km
südlich von Ludwigshafen/Mannheim und 34 km nördlich
von Karlsruhe. Die durch die Rheinbegradigung von Tulla abgeschnittene alte Flussschleife
(Altrheinarm) im Süden der Stadt steht mit dem sich dort nach
Norden fortsetzenden Auwald und den Wasserflächen unter europäischem Schutz.
Die Bedeutung Speyers und seine topografisch günstige Lage an
den Flussterrassen war für die bayerische Landesvermessung
nach den napoleonischen Kriegen ein wichtiger Grund zur Anlage eines
speziellen Vermessungsnetzes, das als Grundlage für die seit
1805 projektierte Rheinregulierung und die Vermessung des neugebildeten
Rheinkreises dienen sollte.
Unter dem großherzoglich-badischen Oberingenieur Johann
Gottfried Tulla wurde 1819 eine genaue Basislinie zwischen Speyer und
Oggersheim gemessen, während für die astronomische
Orientierung des Netzes einer der 72 Meter hohen Osttürme des
Speyrer Doms und die Mannheimer Sternwarte gewählt wurden.
Durch seine Lage im Oberrheingraben gehört Speyer zu den
wärmsten und niederschlagsärmsten Gebieten
Deutschlands.
Funde aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit belegen, dass es bereits
vor 5000 Jahren dauerhafte bäuerliche Ansiedlungen an einer
Rheinfurt in der Gegend des heutigen Speyer gab. Zu den bekanntesten
Funden aus der Bronzezeit (um 1.500 v. Chr.) zählt der
„Goldene Hut“ aus dem 5 km nördlich
gelegenen Schifferstadt, der heute im Historischen Museum der Pfalz zu
Speyer aufbewahrt wird.
Mit der Unterwerfung des von Kelten besiedelten Galliens, die damals
auch in Süddeutschland lebten, durch die Römer wurde
der Rhein Teil der Grenze des Römischen Reiches. Von den Alpen
bis zur Nordsee wurden entlang des Flusslaufes Kastelle und Lager
errichtet. Eines dieser Lager war Speyer, das um 10 v. Chr.
für eine 500 Mann starke Infanterietruppe errichtet wurde.
Ausschlaggebend für den Standort war das Hochufer, das
keilförmig so nahe wie nur an wenigen Stellen bis an den Rhein
heranreicht.
Aufgrund der starken Mäandrierung des Flusses gab es nur ganz
wenige solcher Stellen zwischen Basel und Mainz. Das römische
Lager diente gleichzeitig als Ausgangspunkt für
Eroberungszüge rechts des Rheines und wurde zum Impuls
für die Stadtbildung. Es lag zwischen Kleiner Pfaffengasse und
Großer Himmelsgasse.
Um 74 n.Chr. nach Abzug des Militärs erhält die beim
Kastell entstandene zivile Siedlung das Selbstverwaltungsrecht und wird
Sitz der Gebietskörperschaft Civitas Nemetum. Dem germanischen
Stamm der Nemeter war unter Kaiser Augustus die Ansiedlung auf dem
linken Rheinufer im Gebiet von Speyer gestattet worden.
An zentraler Lage der römischen Rheintalstraße und
als Sitz eines regionalen Verwaltungszentrums entstand eine
repräsentative Stadt mit Marktplatz, breiten
arkadengesäumten Straßen, öffentlichen
Einrichtungen, Wohngebäuden, Tempeln und einem Theater. In der
Altstadt von Speyer sind praktisch keine Baumaßnahmen
unterhalb der Straßenkanten möglich, ohne auf Reste
dieser Zeit zu stoßen.
Um das Jahr 150 n. Chr. erschien die Stadt unter dem Namen
„Noviomagus“ in der Weltkarte des Griechen
Ptolemaios; der gleiche Name stand im Itinerarium Antonini, einem
Anfang des 3. Jahrhunderts n. Chr. verfassten Straßenhandbuch
des römischen Reichs.
Die Stürme der Völkerwanderungszeit verschonten auch
das römische Speyer nicht. Mit dem Bau des Limes im 1.
Jahrhundert n. Chr. war Speyer eine Zeit lang keine Grenzstadt mehr. Ab
260 jedoch konnten die ständigen Angriffe der Alamannen auf
den Limes nicht mehr abgewehrt werden und die Reichsgrenze wurde wieder
an den Rhein zurückgezogen. Den Alamannen gelang es immer
wieder den Rhein zu überqueren, meistens im Winter, und um 275
wurde die Stadt nahezu vollständig zerstört. Eine
weitere Zerstörung erfolgte um 352.
Im 4. Jahrhundert hatte sich die aber stark verkleinerte Siedlung
wieder erholt und wurde im Rahmen der Grenzschutzmaßnahmen
von Valentinian I. mit einer Garnison belegt. Um 370 entstand auf dem
heutigen Domhügel ein Kastell als Zuflucht für die
Bevölkerung. Im Zuge der weiteren Germaneneinfälle
löste sich schließlich die gesamte Rheingrenze
Anfang des 5. Jahrhunderts auf; die römische Hochkultur und
Verwaltung verschwand und die romanisierte Bevölkerung floh.
In der Folgezeit ließen sich andere Germanenstämme
nieder. Auch im Namen der Stadt vollzieht sich dieser
Bevölkerungswandel: das antike NOVIOMAGUS/NEMETUM wird zum
mittelalterlichen Spira. Die Ersterwähnung des Namens
„Spira“ findet sich in den „Notitia
Galliarum“ aus dem 6. Jhdt. im Zusammenhang mit der
Erwähnung eines Speyerer Bischofs in den Akten des Pariser
Konzils von 614.
Im Jahre 346 wurde Speyer erstmals als Bischofssitz genannt; die ersten
Kirchen und Klöster entstanden im 6. und 7. Jahrhundert,
darunter die früheste nachweisbare Anlage von St. German und
eine Bischofskirche, als deren Patrone 662/664 Maria und St. Stephan
genannt wurden.
Stadtherr des Ortes war ursprünglich ein Gaugraf im Auftrag
des Königs, jedoch wurden schon im sechsten Jahrhundert dem
Bischof mehr und mehr Rechte übertragen.
Im Jahre 946 gestattete Konrad der Rote, Schwiegersohn Kaiser Ottos dem
Großen, dem Speyerer Bischof wichtige Rechte und Einnahmen.
Die wirtschaftliche Grundlage der Speyerer Bischöfe beruhte
auf Gütern und umfangreichen Ländereien und den
Rheinfähren. Das Markt- und Münzrecht ist
für Speyer erstmals für das Jahr 946 belegt. Otto der
Große verlieh 969 der Bischofskirche das
Immunitätsprivileg, eine eigene Gerichtsbarkeit und die
Kontrolle über Münze und Zoll. Speyer wurde
unabhängig vom Gaugrafen und fiel unter den Schutz, die
Kontrolle und die Herrschaft der Bischöfe. Auf Veranlassung
des Bischofs entstand die erste Ummauerung des noch kleinen
städtischen Areales, das von der Bischofskirche bis zur
heutigen Dreifaltigkeitskirche und zur Webergasse reichte. Im Jahre 980
rekrutierte der Bishof in Speyer zwanzig bewaffnete Reiter für
den Italienzug Kaiser Ottos. Worms stellte beispielsweise vierzig,
Mainz und Straßburg jeweils hundert.
Am 4. September 1024 wurde der aus dem Speyergau stammende Salier
Konrad II. bei Oppenheim am Rhein zum deutschen König
gewählt. Mit den Saliern rückte Speyer in den
Mittelpunkt der Reichspolitik und wurde zum geistigen Zentrum des
salischen Königtums. Wenn Konrad II und seine Frau Gisela
nicht auf Reisen waren, lebten sie meistens auf der Limburg an der
Haardt und hielten sich häufig in Speyer auf. Der
Stadtschreiber Christoph Lehmann (1568-1638) schrieb in der
„Chronica der Freyen Reichs Statt Speyer“:
„Dieweil Conrad viel und offt zu Speyer im
königlichen palatio gewohnt hat man ihne Cunradum den Speyerer
genannt.“[1] Zwischenzeitlich 1027 zum Kaiser
gekrönt, legte er in Speyer, auf dem Standort der vormaligen
Bischofskirche, den Grundstein zum Speyerer Dom, auf der dem Rhein am
nächsten gelegenen Spitze des Hochgestades. Die Bauarbeiten
begannen im Jahre 1030. Der Dom sollte als Grablege für seine
Dynastie dienen als auch „der in Stein geformte Ausdruck
kaiserlicher Macht und Würde“ sein .“[2]
und war zu der Zeit die größte Kirche der
Christenheit. Der mehrere Jahrzehnte andauernde Dombau gab den
entscheidenden Impuls für die weitere Entwicklung der Stadt;
der Zuzug zahlreicher Handwerker, Künstler und
Händler brachte einem wirtschaftlichen Aufschwung. Die Stadt
wurde erweitert und es entstand der charakteristische Grundriss mit den
sich fächerartig vom Dom aus nach Westen ausbreitenden drei
Straßen. Die mittlere wurde, nachdem der Bachlauf
überdeckt wurde, zur „Via Triumphalis“,
eine Ost-West-Achste vom Dom bis zum Altpörtel, die heute noch
das Stadtbild prägt (heutige Maximilianstraße).
Konrad II starb am 4. Juni 1039 und wurde in dem noch im Bau
befindlichen Dom beigesetzt. Der Dombau wurde unter Konrads Sohn, dem
jungen Heinrich III. (HRR)|Heinrich III.]] fortgesetzt . Auch er war
der Stadt sehr zugetan, besuchte oft „sein geliebtes
Speyer“ [3] und beschenkte den Dom zwischen 1043 und 1046 mit
dem prachtvollen Codex Aureus, einem wahrscheinlich im Kloster
Echternach entstandenen Evangeliar. 1046 brachte Heinrich III. von
seiner Kaiserkrönung in Italien Reliquien nach Speyer, u. a.
die Gebeine des seligen Guido von Pomposa, die 1047 in dam noch jungen
St. Johannes Stift auf dem Weidenberg (das spätere St.
Guido-Stift) feierlich beigesetzt wurden. Auch Heinrich III., von dem
im Codex Aureus geschrieben steht: „Speyer wird im Glanz
erstrahlen durch König Heinrichs Gunst und Gabe“
.“[4] wurde nach seinem Tod am 28. Oktober 1056 im Beisein
von [[Papst Viktor II. im noch unvollendeten Dom beigesetzt. Seine
Witwe, Agnes von Poitou, die die Regentschaft für ihren
sechsjährigen Sohn, Heinrich IV. fortsetzte, blieb der Stadt
und dem frühsalischen Dombau gewogen, wie auch später
Heinrich IV. selbst, der das Immunitätsprivileg
bestätigte. Unter Heinrichs IV. Herrschaft mussten bald
statische Probleme am Dom überwunden u. das Fundament gegen
Überschwemmungen des nahen Rheines gesichert werden.
Im Dezember 1076 brach Heinrich IV. von Speyer nach Canossa auf,
begleitet vom Speyerer Bischof Rüdiger Hutzmann. Der Bischof
hatte für Heinrich IV. Partei ergriffen und war bis zu seinem
Lebensende 1090 vom Papst gebannt.
Im Jahre 1080 begannen die Arbeiten für den
spätsalischen Dombau, der der Stadt einen zweiten
Wachstumsschub bescherte. Bis zur Fertigstellung 1102 wurde in Speyer
Architekturgeschichte geschrieben: das auf seine heutige Höhe
gezogene Mittelschiff wurde erstmals in einer Höhe von 33m
eingewölbt. Der Dom war der größte
Kirchenbau seiner Zeit und symbolisierte mit seiner
Monumentalität die kaiserliche Macht und das Christentum.
Nachdem Konrad II. darin beigesetzt wurde, wurde der Dom zur
Grabeskirche für 7 weitere Kaiser und Könige. Der Dom
ist, nach der Zerstörung der Abtei von Cluny, bis heute das
größte romanische Bauwerk.
Aus der Zeit der Salier stammt auch die Anlage der
ungewöhnlich breiten und ca. 900m langen Speyerer
Hauptstraße Via triumphalis, die in Ost-West-Richtung vom
Stadttor (später Altpörtel) zum Dom führt.
Außerdem entstanden die Stifte St. Johannes/St. Guido auf dem
Weidenberg, St. German auf dem Germansberg und Allerheiligen unweit des
Domes.
Heinrich IV. beschenkte die Kirche von Speyer mit Besitzungen in der
Wetterau, im Remstal, im Nahegau, in Sachsen und verlieh ihr die
Grafschaften von Lutramsforst und Forchheim.
Auf Wirken Bischofs Hutzmanns und mit Billigung Heinrichs IV. nahm
Speyer im Jahre 1084 Juden auf, die in mehreren rheinischen
Städten verfolgt worden waren. Die Juden erhielten Privilegien
wie sonst nirgends im Reich: eigene Gesetze, Gerichtsbarkeit und
Verwaltung. Juden (seit 1084) und Friesen stellten in Speyer im hohen
Mittelalter des 11. und 12. Jahrhunderts die Mehrzahl der Fernkaufleute
(negotiatores manentes), wobei beide ihre Sitze in der
Kaufleute-Siedlung vor der Domimmunität hatten. Im Jahre 1084
wird auch erstmals der Rheinhafen im Bereich der
Speyerbachmündung erwähnt. Speyer war damals der
drittgrößte Stapelplatz und der
größte Weinumschlagplatz am Oberrhein. Gehandelt
wurden Tuche, Stoffe, Wein, Gewürze, Getreide, Obst,
Mühlsteine, Keramik und Waffen. Von antiker Zeit bis ins 11.
Jahrhundert blühte auch der Sklavenmarkt.
Nachfolger Bischof Hutzmanns wird 1090 der Neffe und Vertraute
Heinrichs IV., Johann Graf im Kraichgau. In seiner Zeit bis 1114
erhält das Bistum vom Kaiser weitere Güter im Gebiet
von Rastatt. Heinrich IV. stirbt 1106 in Lüttich und wird von
seinem Sohn, Heinrich V. am 14. August 1111 im Königschor des
Speyerer Doms beigesetzt. Bis dahin hatte Heinrich IV. in der
ungeweihten Afrakapelle gelegen. An diesem Tag gewährt sein
Sohn der Stadt weitere Privilegien. Als erster Stadt in Deutschland
gewährte der Große Freiheitsbrief den
Bürgern persönliche Freiheiten; er befreite die
Speyerer u. a. von der drückenden Erbschaftssteuer und wurde
zum Vorbild für andere Städte im Reich. Heinrich V.,
dem es in Verhandlungen mit Papst Calixtus II. gelang, einen Kompromiss
im Investiturstreit auszuhandeln, starb kinderlos 1125 in Utrecht und
wird als letzter salischer im Speyerer Dom beigesetzt.
Im nachfolgenden Streit um die Königskrone machte die mit den
Saliern verwandte Dynastie der Staufer Speyer zu ihrem wichtigsten
Stützpunkt. In dem Streit obsiegte Lothar III., der 1133 in
Rom zum Kaiser gekrönt wurde. Er weilte zweimal, 1135 und
1136, für längere Zeit in Speyer. Nach seinem Tod
1138 gelangten doch die Staufer mit Konrad III. an die Macht. Die
Predigten des Bernhard von Clairvaux an Weihnachten 1146 im Dom zu
Speyer bewogen Konrad III., der zu einem Reichstag in Speyer weilte, am
Zweiten Kreuzzug teilzunehmen. An dieses Ereignis erinnern vier
Messingplatten im Langhaus des Domes. Unter seinem Neffen, Friedrich
Barbarossa, wurden 1182 die bisherigen Privilegien Speyers
bestätigt und erweitert. Das Schriftstück stellt die
älteste Urkunde im Speyerer Stadtarchiv dar. Barbarossa, der
den Speyerer Dom als seine letzte Ruhestätte betrachtete,
kehrte jedoch 1190 nicht vom Dritten Kreuzzug zurück.
Dafür wurden jedoch seine zweite Frau, Kaiserin Beatrix von
Burgund, und seine kleine Tochter Agnes, beide 1184, im Dom beigesetzt.
Beatrix hatte als Mitgift die Freigrafschaft Burgund
(Franche-Comté) in die Ehe gebracht. Nicht erhalten ist eine
Urkunde von Heinrich VI., nach der der Stadt das Recht und die Freiheit
gewährt wurde, einen Rat aus zwölf Bürgern
zu wählen. Ab 1207 wurden wichtige Ämter der Stadt
von Bürgern besetzt, ab 1208 führte der Rat ein
eigenes Siegel. Mit diesen Privilegien nahm Speyer weiterhin eine
Vorreiterstelle im Reich ein.
Friedrich II, der sich mehr in Italien als in Deutschland aufhielt,
ließ 1213 bei einem Hoftag in Speyer die Leiche seines 1208
in Bamberg ermordeten Onkels und jüngster Sohn Kaiser
Barbarossas, König Philipp von Schwaben, in den Dom
überführen. Die Domschule wurde unter Friedrichs
Regentschaft zur Diplomatenschule des Reiches. Der Speyerer Bischof
Konrad von Scharfenberg war 1200 bis 1224 Kanzler des Königs
und begleitete ihn 1220 zur Kaiserkrönung nach Rom. 1230 geht
schließlich die Gerichtsbarkeit von der Kirche an die Stadt
über. Mit dem Einverständnis des Bischofs
erließ der Rat 1230 das erste Speyerer Stadtrecht. Friedrich
II. gewährte der Stadt 1245 eine vierzehntägige
Herbstmesse, die überregionale Bedeutung gewann. 1254 schloss
sich Speyer mit 58 anderen Städten zum Rheinischer
Städtebund zusammen, um die Unsicherheit in der Zeit des
Interregnums nach dem Tode König Konrad IV. zu
überwinden. Die Allianz löste sich jedoch 1257 wieder
auf.
Im 13. Jahrhundert gründen viele Orden Klöster in
Speyer: 1207 übernahmen Brüder vom Heiligen Grab das
Kloster der Augustiner-Chorfrauen vor den Ringmauern der Stadt (Wormser
Tor). Auf dem Gelände des heutigen Wittelsbacher Hofes
errichteten 1212 Zisterzienser aus Eußeral eine Zweigstelle,
nachdem bereits einige Jahrzehnte zuvor die Zisterzienser des Kloster
Maulbronn den Maulbronner Hof an der Johannesstraße erhalten
hatten . Bis 1230 entstand ein Franziskanerkloster an der heutigen
Ludwigstraße, 1230 übernahmen Deutschherren ein
Ordenshaus mit Krankenhaus auf dem Gelände des heutigen
Konsistoriums, 1262 kamen die Dominikaner, auf die die heutige
Ludwigskirche an der Korngasse zurück geht. Etwa in der Mitte
des Jahrhunderts begannen Augustiner-Eremiten einen Klosterbau auf dem
Gelände der heutigen Kreis- und Stadtsparkasse
(Willi-Brandt-Platz). 1294 stellten die Karmeliter ein Kloster am
heutigen Postplatz fertig. 1299 kamen Clarissen von Oggersheim nach
Speyer, die einen Hof im Bereich des heutigen St. Klara-Kloster-Weges
zum Kloster ausbauten. Durch starken Zuzug erweitert sich die Stadt
erneut: 1232 wird erstmals die Vorstadt Hasenpfuhl genannt. Zum Ende
des Jahrhunderts entsteht in Speyer die erste Münze an der
Stelle, die heute das alte städtische Kaufhaus „Alte
Münz“ einnimmt.
1293 schloss Speyer mit den Städten Worms und Mainz ein
"ewiges" Bündnis zur Behauptung ihrer Rechte
gegenüber ihren Bischöfen. 1294 schlossen Bischof und
Stadtrat nach langjährigen Streitereien einen Vertrag, der das
Ende der bischöflichen Macht festschrieb. Damit endete die
spannungsreiche Herrschaft der Bischöfe und Speyer wurde freie
Reichsstadt. Das Stadtregiment wurde aber nicht von allen
Bürgern geführt, sondern von den Patriziern,
Münzern und Hausgenossen. Außerdem behielt der
Bischof die volle Herrschaftsgewalt im Bereich der
Dom-Immunität, die deshalb auch Domstadt genannt wurde.
Innerhalb der Stadtmauern gab es also zwei eigenständige
politische Herrschaften.
Eine der ältesten Nachweise der Fastnacht in Deutschland
findet sich in der Speyerer Chronik des Stadtschreibers Christoph
Lehmann von 1612, der aus alten Akten berichtet: „Im Jahr
1296 hat man Unwesen der Fastnacht etwas zeitig angefangen / darinn
etliche Burger in einer Schlegerey mit der Clerisey Gesind das
ärgst davon getragen / hernach die Sach beschwerlich dem Rhat
angebracht / und umb der Frevler Bestrafung gebetten.“
(Clerisey Gesind meint die Bediensteten des Bischofs und des
Domkapitels, also der Kleriker, in der Domimmunität)
Die Zünfte erkämpften sich 1314 Sitz und Stimme im
Stadtrat. Wieder verdrängt von den Patriziern schlossen sich
die Zünfte 1327 zu einer Eidgenossenschaft zusammen und setzen
in harten Auseinandersetzungen die Einführung einer neuen
Ratsordnung durch. Endgültig auf ihre Vorrechte verzichten
mussten die Münzer und Hausgenossen 1349. Sie waren ab diesem
Zeitpunkt nur noch gleichberechtigte Zünfte wie die anderen.
Eine wichtige wirtschaftliche Rolle neben dem Weinhandel spielte die
Textilindustrie vor allem wegen des um Speyer gepflegten Anbaus der
Färberpflanze Krapp.
Im Schatten des großen Weltgeschehens entwickelte sich im
frühen 11. Jh. an der Peripherie der Bischofsstadt eine erste
jüdische Gemeinde. Im Jahre 1084 lud Bischof Rüdiger
Hutzmann mit ausdrücklicher Billigung Heinrichs IV. eine
größere Anzahl von Juden in die Stadt ein, die vor
Pogromen in Mainz und anderen rheinischen Städten geflohen
waren. Er garantierte ihnen verschiedene Rechte und Privilegien mit der
Begründung, dass ihre Anwesenheit „die Ehre der
Stadt tausendfach vergrößert“. Demnach
durften sie u. a. uneingeschränkt Handel treiben, Gold und
Geld tauschen, hatten ihre eigene Gesetze, Rechtsprechung und
Verwaltung, mussten an der Stadtgrenze keine Maut oder Zölle
zahlen und durften Nichtjuden als Dienstboten haben. Diese Rechte
wurden 1090 von Kaiser Heinrich IV. sogar noch durch weitere
Schutzprivilegien erweitert. Grund für die Ansiedlung war die
bedeutende Rolle, die Juden damals im lukrativen Fernhandel spielten,
und der Wunsch nach einer Finanzquelle zum Bau des Domes. Die
jüdische Synagoge und der Dom wurden von den selben
Baumeistern geplant und errichtet. Hutzmann ließ die Siedlung
sogar ummauern.
Als Mittelpunkt der Siedlung entstand der Judenhof, das kultische
Zentrum mit Männer- und Frauensynagoge und dem rituellen
Kaltbad (Mikwe). Die Ruine der Speyerer Synagoge stellt den
ältesten, noch sichtbaren Überrest eines
Synagogenhauses in Mitteleuropa dar. Das eigentliche Judenbad (erstmals
1126 erwähnt) blieb bis heute nahezu unverändert und
ist eine der ältesten noch erhaltenen Anlagen dieser Art.
Im Rahmen des ersten Kreuzzuges kam es im Reich zu zahlreichen Pogromen
gegen Juden. In Worms wurden beispielsweise 800, in Mainz sogar 1000
Juden ermordet. Auch in Speyer kam es 1096 zu Ausschreitungen. Die
meisten Juden fanden im Bischofshof zuflucht und Massenmorde und
Vertreibungen, wie sie in anderen Städten des Rheinlandes
geschahen, konnten verhindert werden. In Speyer wurden 11 Juden
ermordet.
Die jüdische Gemeinde Speyers gehörte in diesen
Jahren zu den bedeutendsten des Reiches, war ein wichtiges Zentrum zum
Studium der Thora und trug über die Jahrhunderte trotz
Verfolgung und Vertreibung erheblich zum geistigen und kulturellen
Leben der Stadt bei. Die Gemeinden von Speyer, Mainz und Worms bildeten
gemeinsam einen Bund namens „Schum“, nach den
hebräischen Anfangsbuchstaben von Speyer, Worms und Mainz, der
von den Juden in ganz Deutschland als Autorität in rechtlichen
und religiösen Fragen anerkannt wurde.
In den Pogromen von 1349, zur Zeit der Schwarzen Pest, wurde die
Speyerer Judengemeinde völlig ausgelöscht. Zwar
ließen sich in der Folgezeit wieder Juden in Speyer nieder,
aber die Gemeinde erreichte nie mehr den Status, den sie vor ihrer
Zerstörung hatte. Während des 14. und 15.
Jahrhunderts kam es immer wieder zu Pogromen, in denen die Juden
vertrieben wurden, und in den Perioden dazwischen mussten sie mit
vielen Verboten und Einschränkungen leben. 1472 brachten sich
Hunderte um, um der Zwangstaufe zu entgehen.
Die Gemeinde wurde immer kleiner, und erst im 19. Jahrhundert begann
sie wieder zu wachsen. Bereits in den frühen
dreißiger Jahren begannen Juden aus Speyer wegen des
ständig wachsenden Antisemitismus in
größere Städte abzuwandern oder zu
emigrieren. 1939 lebten nur mehr 77 Juden in Speyer, fast alle wurden
von den Nazis umgebracht. Bis vor wenigen Jahren gab es in Speyer keine
jüdische Gemeinde mehr, aber im Oktober 1996 fand erstmals
wieder eine Gemeindeversammlung statt, in der 10
osteuropäische Juden entschieden, eine neue jüdische
Gemeinde in Speyer zu gründen. Die Grundsteinlegung
für die neue Synagoge fand am 9. November 2008 statt. Sie wird
auf dem Gelände der ehemaligen Kirche St. Guido entstehen und
rund 140 Gläubigen Platz bieten. Die Einweihung ist
für 2010 vorgesehen.
In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stand Speyer wieder
im Mittelpunkt deutscher Geschichte. Die Bedeutung der Stadt wird
deutlich, indem hier insgesamt über 50 Hoftage stattfanden und
von den 30 Reichstagen, die es in diesem Jahrhundert gab, 5 in Speyer
abgehalten wurden.
Glauben, Reformation und Aufstände waren seit Luthers
Thesenveröffentlichung und dem Wormser Reichstag von 1521 die
dominierenden Themen der Innenpolitik. Vor diesem Hintergrund
versammelte sich der Reichstag des Jahres 1526 zum ersten Mal in
Speyer. Wie in allen gastgebenden Städten forderten die
Unterbringung und Verköstigung mehrerer tausend Gäste
– allein der Kurfürst von Sachsen reiste mit 700
Personen und 400 Pferden an – Rat, Einwohner und Wirte
heraus. Andererseits bedeuteten solche Veranstaltungen für
eine Stadt beträchtliche Einnahmen.
Nach der prunkvollen Eröffnung am 25. Juni 1526 mit Prozession
der Fürsten und Abgesandten zum Dom und feierlichem Hochamt
und zwei Monaten mit Beratungen und Disputen fällte der
Reichstag zwei Beschlüsse abseits der großen Themen,
die aber für die Reichsstadt von großer Bedeutung
waren: Reichsregiment und Reichskammergericht, neben dem Kaiser die
obersten Repräsentanten staatlicher Macht, wurden 1527 nach
Speyer verlegt.
Die drängende Glaubensfrage blieb dagegen weiterhin
ungelöst. Die unklare Resolution des Reichstages, dass jeder
Stand sich so verhalten solle, wie er es vor Gott und dem Kaiser
verantworten könne, begünstigte die Ausbreitung von
Luthers Lehren.
1529 versammelte sich der Reichstag ein weiteres Mal in Speyer
(Reichstag zu Speyer 1529). Der Streit um Glauben, Gewissen und
Gehorsam entzweite die Reichsstände. Mehrheitlich fiel am 19.
April der Entscheid, den Beschluss des letzten Reichstages (1526)
aufzuheben und die Gültigkeit des Wormser Ediktes von 1521
(Reichstag zu Worms 1521) zu bestätigen, welches über
Luther und seine Anhänger die Reichsacht verhängt
hatte.
Die am Reichstag teilnehmenden evangelischen Fürsten und
Reichsstädte waren über diesen Beschluss
empört und verfassten am 20. April 1529 ein Protestschreiben,
dessen Annahme vom Reichstag verweigert und daraufhin Kaiser Karl V.
übersandt wurde. Mit der gegen den Reichstagsbeschluss
gerichteten Protestation zu Speyer der evangelischen Fürsten
ging ein weltgeschichtlich bedeutsames Ereignis von Speyer aus: die
Trennung der christlichen Kirche West-Europas war besiegelt. Die
Protestation der Fürsten und Städte gilt als
Geburtsstunde des Protestantismus und seit diesem Reichstag nannte man
die Anhänger der reformatorischen Bewegung Protestanten.
Die Stadt selbst neigte dem Luthertum zu und der Rat gründete
1538 in Konkurrenz zur Domschule des Bischofs eine lutherisch
geführte Ratsschule. Das endgültige Bekenntnis zum
Luthertum durch die Stadt erfolgte 1540. Diese Entscheidung wirkte noch
lange nach. So wurde noch 1698 beim Wiederaufbau nach dem
Pfälzischen Erbfolgekrieg nur die Ansiedlung von Protestanten
gestattet.
Ein Bauwerk, das an diesen Teil der Geschichte Speyer erinnert, ist die
Gedächtniskirche.
Die Geschichte der Freien Reichsstadt Speyers als Teil des
protestantischen Lagers im 17. Jahrhundert war dadurch
geprägt, dass sie einerseits Mitglied im Bündnis der
protestantischen Union und andererseits dem Einfluss der katholischen
Liga in Person des Speyerer Bischofs ausgesetzt war.
In den Wirren des 30-jährigen Krieges (1618–48)
befand sich das ummauerte, aber selbst kaum
verteidigungsfähige Speyer im Spannungsfeld der
häufig umkämpften Festungen Frankenthal,
Friedrichsburg, Philippsburg und Landau. Somit fiel der Stadt
ständig die Rolle als Zufluchtsort, Lazarett,
Versorgungsstation und/oder Truppenlager zu. Hinzu kamen Besetzungen
durch Spanier, Schweden, Franzosen und kaiserliche Truppen, die
einander in kurzen Abständen folgten. Erst 1650
verließen die letzten Heere die Stadt, zurück
blieben Schulden, Hunger und Seuchen.
Bereits 1688 standen wieder Truppen vor der Stadt, dieses Mal die des
Französischen Königs Ludwig XIV.. Im Zuge des
Pfälzischen Erbfolgekrieges (1688–97) erlebte die
Stadt im Jahre 1689 die größte und folgenreichste
Zerstörung in ihrer Geschichte: die Vertreibung der Einwohner
und Niederbrennung der Stadt, einschließlich des Domes, der
Kirchen, Klöster und Zunftstuben. Über 700
Bürgerhäuser wurden verwüstet und viele
Türme und Tore der Stadtbefestigung gesprengt. Wegen dieser
Zerstörung zeugen nur noch der östliche Teil des
Domes, das Altpörtel, das Judenbad und wenige Stadtmauerreste,
Einzelhäuser, Turmreste vom mittelalterlichen Speyer.
Aus den Jahrzehnten des Wiederaufbaues, der erst nach 11 Jahren
Verlassenheit des Ortes ab 1698 einsetzte, stammen u. a. die
Barockbauten der Dreifaltigkeitskirche, des Rathauses, des
Städtischen Kaufhauses (Alte Münze) sowie viele
Häuser der Hauptstraße.
Zunächst war die Stadt von österreichischen Truppen
besetzt geblieben. 1792 wurde Speyer von französischen
Revolutionstruppen erobert, blieb bis 1814 unter französischer
Herrschaft und war Sitz einer Unterpräfektur im
Département du Mont-Tonnerre (Donnersberg).
Mit der napoleonischen Besetzung hielten die Errungenschaften der
Französischen Republik Einzug auch in Speyer: die
ständischen Sonderrechte (Grundherrschaft,
Patrimonialgerichtsbarkeit u. a.) verschwanden, das Gerichtswesen wurde
vereinheitlicht und neu geordnet. Die Rechtssicherheit verbesserte sich
erheblich, nachdem Zivil- und Strafrecht administrativ voneinander
getrennt und der Code civil (1804) eingeführt worden war. Im
Gegensatz zu rechtsrheinischen deutschen Gebieten blieb dieser in der
Pfalz bis zur Einführung des BGB im Jahr 1900 bestehen. Justiz
und Verwaltung wurden auf allen Ebenen voneinander getrennt,
Finanzverwaltung und Steuerwesen reformiert. Während der
Präfekt des Departements in der Regel aus Frankreich kam,
besetzte man die Stellen der Unterpräfekten meist mit
Einheimischen, was die Akzeptanz der Reformen förderte.
Die Befreiungskriege gegen Napoleon und die Neuordnung der
europäischen Staatenwelt auf dem Wiener Kongress von 1815
brachten wieder eine Änderung der Machtverhältnisse
im pfälzischen Raum. Für wenige Stunden stand Speyer
noch einmal im Rampenlicht der großen Politik, als sich am
27. Juni 1815 Zar Alexander von Russland, Kaiser Franz I. und
Preußens König Friedrich Wilhelm III. im alliierten
Hauptquartier in der Stadt trafen.
1816 wurde Speyer zur Kreishauptstadt des in der Folgezeit so genannten
Rheinkreises. Dieser fiel im Ergebnis des Wiener Kongresses dem
Königreich Bayern als Ausgleich für das an
Österreich abgetretene Salzburg zu. Der Name Pfalz wurde erst
zum 1. Januar 1838 anstelle des Rheinkreises eingeführt.
Der Zuwachs an administrativer Bedeutung hatte den Aufbau eines
Verwaltungsapparates mit zahlreiche Behörden zur Folge, was
wiederum einen deutlichen Wirtschaftsaufschwung und Zuwachs in der
Einwohnerschaft mit sich brachte; die Einwohnerzahl verdoppelte sich in
der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, eine rege
Bautätigkeit prägte das Stadtbild und es entstanden
die ersten Wohnquartiere außerhalb der Stadtmauer.
1837 wurde der Ausbau des Rheinhafens abgeschlossen und der Anschluss
an das Deutsche Eisenbahnnetz erfolgte 1847. Es entstanden u. a.
soziale und karitative Einrichtungen (Arbeits- und Bildungsanstalt
für Mädchen, Wohltätigkeitsverein der
jüdischen Gemeinde und ein Hospital). Im Bereich des
Bildungswesens verfügte die Stadt über Einrichtungen
aller Art und damit über das am besten ausgebaute Schulsystem
in der Pfalz. Es entstanden die ersten Vereine: zur
Schützengesellschaft, die bereits seit 1529 bestand, kamen
beispielsweise Turnverein, Harmoniegesellschaft, Musikverein und
Liedertafel.
Die Franzosen hinterließen in der Pfalz ihr Rechtssystem und
liberalere Auffassungen, als sie rechtsrheinisch vorzufinden waren, was
ab 1830 zu Spannungen mit dem bayrischen König
führte. Dieser zunächst liberal gesinnte Monarch
scheiterte bei der Wiedereinführung der Pressezensur, nachdem
er sie selbst kurz zuvor abgeschafft hatte. In den liberalen und
demokratischen Strömungen des Vormärz wurde Speyer zu
einem Presse- und Zeitungsplatz von überregionaler Bedeutung
(Speyerer Anzeigeblatt, Neue Speyerer Zeitung). Zu den bedeutendsten
Söhnen der Stadt zählen in dieser Epoche der Maler
Anselm Feuerbach (*1829), der Dichter Martin Greif (*1839) und der
Maler Hans Purrmann (*1880).
Nach der Niederschlagung der deutschen Revolution von 1848 mussten
viele revolutionär gesinnte Speyerer fliehen, wobei es viele
vorzogen, gleich ganz das Land zu verlassen. Die darauffolgende
Restauration und Biedermeierzeit konnte sich unter der zahlreichen von
Bayern abhängigen Beamtenschaft in Speyer besonders gut
verbreiten. Die zwei liberalen Speyerer Zeitungen mussten bald ihr
Erscheinen einstellen. Die Pfalz galt als renitent, die Zügel
der Regierung in München wurden besonders straff gehalten und
wurden erst gegen Ende des Jahrhunderts lockerer.
Die Wilheminische Ära fügte dem Speyerer Stadtbild
eine ganze Reihe repräsentativer Neubauten hinzu. Zur
Erinnerung an die Protestation des Jahres 1529 wurde 1904 mit
finanzieller Unterstützung Kaiser Wilhelms II. und Spenden aus
der ganzen protestantischen Welt der 1890 begonnene 105 m hohe
neugotische Bau der Gedächtniskirche eingeweiht. Es war ein
Ereignis, das in der durch Dom und Bischof katholisch
geprägten Stadt Anlass heftiger Kritik war. Als Reaktion wurde
1912–1914 nur wenige Meter entfernt die Josephskirche mit
zwei 92,5 m hohen Türmen erbaut. Zusammen mit dem Kaiserdom
und dem Altpörtel beherrschen diese beiden Kirchen das
Stadtbild von Speyer. Zwischen 1906 und 1910 entstand das Historisches
Museum der Pfalz, das mit den zeitgleichen entstandenen
Gebäuden des Kreisarchives, Protestantischen Konsistoriums,
Humanistischen Gymnasiums und Bischöflichen Ordinariats die
Bebauung des Domplatzes bis heute prägt. Ein weiterer
erwähnenswerter Bau der bayrischen Zeit ist der Bahnhof, der
im 2. Weltkrieg zerstört wurde.
Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Besetzung des linken
Rheinufers durch Frankreich wurde Speyer 1918 erneut Garnisonsstadt der
Franzosen. Schon ab Ende 1918 unterstützte die
französische Besatzungsmacht unter General Gérard
gezielt eine Bewegung unter Führung des promovierten Chemikers
Ludwig Haaß, die sich „Freie-Pfalz“
nannte – zusammen mit mehreren anderen
Separatistengruppierungen im nördlichen Rheinland. Im
Frühsommer 1919 unternahm die Freie Pfalz in Speyer einen
Putschversuch für eine autonome Pfalz. Dieser scheiterte
kläglich, hauptsächlich am Widerstand des
stellvertretenden Regierungspräsidenten Friedrich von
Chlingensperg (1860–1944), der sich der mehrheitlichen
Unterstützung der pfälzischen Parteien sicher sein
konnte. Nach wenigen Stunden war die schlecht vorbereitete Aktion
beendet.
Damit war der Gedanke an eine autonome Pfalz noch nicht gestorben und
Speyer sollte weiterhin im Brennpunkt solcher Bestrebungen bleiben. Nur
wenige Jahre später mehrten sich in der Pfalz Stimmen, die
für eine Trennung von Bayern eintraten, darunter auch der
ehemalige Ministerpräsident Johannes Hoffmann, der am 24.
Oktober 1923 erfolglos versuchte, die Pfalz angesichts der
bürgerkriegsähnlichen Zustände in
München vom Mutterland abzutrennen und im Rahmen des Reichs
einen selbstständigen Staat zu bilden.
Zugleich verschafften sich wieder radikalere separatistische
Gruppierungen lauter Gehör, wiederum mit dem Wohlwollen der
Franzosen, die nach wie vor das linke Rheinufer besetzten. Aus einem
Umsturz in Aachen am 21. Oktober 1923 ging die unabhängige
Rheinische Republik unter Hans Adam Dorten hervor. Ab Anfang November
1923 besetzten Separatisten sukzessive die Städte der Pfalz
und hissten auch dort grün-weiß-rote Fahnen. Am 10.
November stürmten die Aufständischen das
Regierungsgebäude in Speyer.
Der Anführer der Separatisten war Franz Josef Heinz (1884 bis
1924) aus Orbis bei Kirchheimbolanden, Vorsitzender der Freien
Bauernschaft und Mitglied des Speyerer Kreistages (DVP). Er
proklamierte die Autonome Pfalz. Während sich die neue
Regierung einrichtete, organisierte sich in Bayern bereits der
Widerstand. Der für die gewaltsame Separatistenabwehr
zuständige Walter Antz aus Zweibrücken bereitete mit
einem geheimen pfälzischen Kampfverband unter der
Führung des Rechtsanwaltes Edgar Julius Jung
(1894–1934) einen Anschlag auf Franz Josef Heinz vor. Dieser
gelang erst im zweiten Anlauf: Am Abend des 9. Januar 1924
stürmten rund 20 Männer, die über den
gefrorenen Rhein gekommen waren, den Speisesaal des
„Wittelsbacher Hofes“ in Speyer. Sie erschossen
Heinz, einen Mitarbeiter und einen unbeteiligten Gast. Ein Denkmal
für zwei der Attentäter, die bei einem
anschließenden Schusswechsel nach dem Attentat ums Leben
gekommen waren, steht heute noch auf dem Speyerer Friedhof.
Noch unter französischer Besatzung feiert die Stadt 1929 die
400-Jahrfeier der Protestation, aber bei der 900. Wiederkehr der
Domgründung im folgenden Jahr war Speyer wieder unter
bayerischer Oberhoheit. Zwischen den Kriegen entstanden die ersten
größerflächigen Stadterweiterungen, z. B.
die Siedlung der Baugenossenschaft westlich der Bahnlinie und die
Vorstadtsiedlung „Speyer Nord“. Außerdem
entstand die erste feste Brücke über den Rhein,
über die die Bahnlinie nach Heidelberg führte, und
südlich davon entstand ein weiterer Rheinhafen (Neuer Hafen).
Machtergreifung und Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten gab
es 1933 auch in der Domstadt. Speyer gehörte zunächst
zum Gau Rheinland, der 1935 mit dem Saarland zum Gau Saar-Pfalz
zusammengelegt wurde. Der Verwaltungssitz des Gaues kam nach Neustadt.
Auch die Speyerer Synagoge in der Heydenreichstraße wurde in
den Novemberpogromen 1938 am 9. November 1938 niedergebrannt und kurz
danach völlig abgerissen. Mit dem nun beginnenden
„Tausendjährigen Reich“ werden wieder
einmal mehr die Juden aus Speyer vertrieben und zum großen
Teil umgebracht. Speyer entging den großflächigen
Bombardierungen während des Zweiten Weltkrieges; die wenigen
Bomben zerstörten u. a. den Bahnhof. 1945 wurde Speyer von der
amerikanischen Armee eingenommen, wobei die abziehende deutsche Armee
noch die Rheinbrücke sprengte.
Bis zur Gründung der Bundesrepublik 1949 lag Speyer in der
Französischen Besatzungszone und wurde ein weiteres mal
französische Garnisonsstadt mit einer Kaserne zwischen
Rheinbrücke und Flugplatz (Fremdenlegion-Spahis) und einer
weiteren in der Rulandstraße (Normandkaserne). Weitere
Militäranlagen gab es im Reffental, im Winkel der B9 mit der
Landauer Straße und zwischen Iggelheimer Straße und
Bahnlinie. Zwischen Landauer Straße und Bahnlinie entstand
ein Stadtteil für Angehörige des
französischen Militärs, die Cité de
France. General Charles de Gaulle nahm vor dem Dom eine Truppenparade
ab. Von der französischen Besatzungsmacht wurde zur
Heranziehung eines demokratischen Verwaltungsnachwuchses nach dem
Vorbild der gerade gegründeten ENA eine Hochschule
für Verwaltungswissenschaften gegründet.
Im wirtschaftlichen Aufschwung der 50er, 60er und 70er Jahre
vergrößerte sich Speyer erheblich: Im Westen der
Stadt entstanden große Neubaugebiete, auch Speyer-Nord wurde
erweitert. Unter Einbeziehung des ehemaligen
Synagogengrundstückes entstand in der
Maximilianstraße Speyers erstes und bis heute einziges
Vollsortiments-Kaufhaus (Kaufhof). Ganz im Norden der Stadt entstand
eine neue deutsche Garnison (Pionierkaserne), ebenfalls mit einer
Außenstelle im Reffental. Größere
Einzelbauprojekte waren das großzügige
Freischwimmbad, ein Neubau am Stadtrand für die Hochschule
für Verwaltungswissenschaften (Architekt: Sep Ruf), die
Landesversicherungsanstalt, zwei Raffinerien, das
Diakonissenkrankenhaus, das Hans-Purrmann- und das
Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium, das Heizkraftwerk, das
Speyer-Kolleg, ein Hallenschwimmbad. Es entstanden große
Gewerbegebiete zwischen Bahnlinie und Friedhof, an der
Auestraße und am Neuen Hafen. Die verkehrsreichen
Bundesstraßen 9 und 39 wurden über
Umgehungsstraßen an der Stadt vorbei geführt und mit
der Autobahn A 61 erhielt Speyer eine zweite Rheinbrücke und
direkten Anschluss an das Autobahnnetz. Der starke Verkehr dieser
Straßen führt aber inzwischen zu großen
Belästigungen durch Straßenlärm. Die
Altstadt wurde weitgehend saniert (z. B. Fischmarkt, Holzmarkt). Nach
langen Debatten wurde die Maximilianstraße mit einigen
Seitengassen zur Fußgängerzone umgestaltet. Im
Nordosten der Stadt entstanden über die Jahre durch
Auskiesungen eine Vielzahl von Badeseen, darunter ein großes
Naherholungsgebiet (Binsfeld).
In der Verwaltungsreform 1972 erfolgten nach Speyer als einzige Stadt
in Rheinland-Pfalz keine Eingemeindungen. Aufgrund des starken
Flächenverbrauches ist die Entwicklung in der Fläche
weitgehend an ihre Grenzen gestoßen. Dies hat zur Folge, dass
Bauland in der Stadt sehr knapp ist und innerstädtischen
Brachflächen hohe Bedeutung für die weitere Speyerer
Entwicklung zukommt. Ein großes umgenutztes Areal war z. B.
das Gelände der letzten Speyerer Brauerei (Storchenbrauerei)
und der benachbarten Sektkellerei, auf dem ein Wohngebiet entstand.
Ab Ende der 70er Jahre entstand der letzte große und
eigenständige Stadtteil im Süden der Stadt
(Vogelgesang). Für die 2000-Jahr Feier 1990 wurden die
Maximilianstraße, der Postplatz, die Gilgenstraße,
der Dombereich und einige Teile der Altstadt mit großem
Aufwand völlig neu gestaltet. Nach dem Fall der Berliner Mauer
zogen zwei große französische
Militäreinheiten, die 45 Jahre lang das Stadtbild
mitgeprägt hatten, aus Speyer ab. Die leerstehende Kaserne
"Normand" in Speyer-Süd stellt wertvolles
innerstädtisches Baupotenzial dar, dessen Umnutzung noch im
Gange ist, wobei die alten Gebäude teilweise weiterverwendet
werden. Die französischen Wohnquartiere an der Landauer
Straße wurden saniert. Auf einem anderen
Kasernengelände im Süden der Stadt entstand das
Technik Museum Speyer. Im Westen der Stadt entstanden Neubauten
für die Landesbibliothek und die Verwaltungshochschule wurde
erweitert. Speyer gehört heute zu den bedeutenden
Touristenzentren Deutschlands.
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